Sichtwerk 2012

An diesem Wochenende findet das Sichtwerk statt – unsere jährliche Austellung. Sie beginnt am Freitag, den 13.00 um 14:00 Uhr im Sanaa Gebäude, Zeche Zollverein. Das Programm findet sich hier. Auf drei Stockwerken stellen Studierende und Lehrende aus dem Industrial Design, Kommunikationsdesign und der Fotografie ihre Arbeiten aus. Wir natürlich auch! Besucht uns!

Hier ein kleiner Überblick unsere Arbeiten:

Das neue Auto

Das Auto befindet sich im Wandel. Technologische Entwicklungen verändern das Auto und das Fahren grundlegend. Eine Vielzahl unterschiedlichster Assistenzsysteme entlastet den Fahrer. Sie erledigen einen Teil der Fahraufgabe und schaffen dabei Freiräume für Aktivitäten jenseits des Fahrens.

Elektromobilität geht in der Veränderung des Autos noch einen Schritt weiter. Sie darf nicht nur als alternativer Antrieb begriffen werden, vielmehr ermöglich sie es die grundlegende Struktur des Autos zu verändern. Das starre Korsett des klassischen Verbrennungsmotors wird aufgebrochen. Es entsteht die Freiheit, das Auto und das Fahren neu zu denken. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Umso wichtiger ist es, eine eigene Sicht auf das zukünftige Auto zu erarbeiten, aus der sich grundlegende Gestaltungsentscheidungen ableiten und begründen lassen.

Wir verstehen das “neue Auto” als eine Möglichkeit, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Ästhetik der Interaktion

Lange Zeit war die einzige und damit “wahre” Interaktionsform zur Eingabe einer Telefonnummer das Drehen einer Wählscheibe. Später wurde dies  abgelöst durch das Drücken der Tasten eines Nummernblocks, und wird mittlerweile ergänzt durch Gesten- und Sprachsteuerung. Neue  Technologien eröffnen immer neue Möglichkeiten der Interaktionsgestaltung. Die Zahl theoretisch möglicher technischer Lösungen wächst stetig. Für eine einfache und alltägliche Aufgabe wie die Steuerung einer Lampe beispielsweise wurden in einem Brainstorming mehr als 100 Interaktionskonzepte gesammelt: Vom Kippen, Drücken, Drehen oder Schieben eines Schalters über das Bewegen oder Berühren der Lampen über Gesten- und Sprachsteuerung bis hin zum Einsatz von Sensoren, die auf Bewegung, Geräusche, Licht oder Temperatur reagieren.

Mit diesen neuen Freiheiten in der Gestaltung von Interaktion, den neuen “Materialien” wächst aber auch die Verantwortung des Designers Entscheidungen im Sinne des gewünschten Ausdrucks und des gewünschten Nutzungserlebens zu treffen. Die verwendete Technologie ist hierfür allerdings zweitrangig.

TripMate – Travel experience | by Gary Kunkel

“Wann sind wir endlich da?”, “Wie lange dauert es noch?” – so gut wie jeder von uns hat wahrscheinlich schon einmal eine endlos erscheinende Autofahrt in den Urlaub miterlebt. Als Eltern oder als Kind. Je nach Perspektive sind unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit dieser Situation sehr unterschiedlich. Aber eines scheint klar: die Verantwortung für die Gestaltung einer Reise liegt bei den Eltern, also bei Fahrer und Beifahrer. Die Kinder sind Zuschauer auf der Rückbank, oft nervig in ihrem fehlende Verständnis für Strecken und Orte oder sediert durch Hörspiel oder Disneyfilm.

Das Konzept TripMate möchte diese einseitige Situation aufbrechen. Eine technische Infrastruktur bestehend aus einem langgezogenen Display auf der Mittelkonsole und einem darauf befindlichen Mobilteil soll die „Barriere“ zwischen den Vordersitzen und dem Fond überwinden. [… for further details, come and see us at the Sichtwerk…]

Flüsterkissen

Das Flüsterkissen hat eine Tasche, in die man eine Nachricht an eine oder einen Liebsten flüstern kann. Das Kissen bläst sich dann an diesem Ende auf. Öffnet man die Tasche erneut, spielt das Kissen die Botschaft wieder ab. So kann man emotional ausdrucksstarke, verbale Botschaften hinterlassen. Ein Kissen auf einem Bett oder der Couch ist ein ideales Objekt für romantische Kommunikation, da sowohl Bett als auch Sofa ein Ort der Ruhe und Kontemplation ist, an dem das Vermissen des Partners oft sehr bewusst wird. Das Kissen ist außerdem ein Objekt, das körperlich verwendet wird und auch nicht selten als “Partnerersatz” bei temporärer Trennung dient. Die Funktionalität des Kissens wurde bewusst beschränkt. [… for further details, come and see us at the Sichtwerk…]

ReMind | by Jan Brechmann

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“. Wir alle kennen diese Weisheit, geboren aus einer protestantischen Arbeitsmoral, die besonders den eigenen Eltern immer sehr wichtig zu sein schien. Aber wie häufig schieben wir dann doch Dinge auf, obwohl deren Erledigung nicht viel Zeit und Mühe kosten würde! Besonders die kleinen Aufgaben, wie das Aufräumen des Schreibtisches, den Anruf bei der Oma oder den Zahnarzttermin für die jährliche Routineuntersuchung. Genau diese Kleinigkeiten lösen bei circa 50% der Deutschen Unlust und Unbehagen aus. Das Aufschieben von Aufgaben anstatt sie zu erledigen, nennt man “Prokrastination”.

In der Auseinandersetzung mit prokrastinierenden Menschen wird häufig auf Einsicht und Überzeugung gesetzt. Die durch das Aufschieben entstehenden Probleme – die versäumten Möglichkeiten oder die vergeudete Zeit – werden in den Vordergrund gestellt. Menschen, die dazu neigen Aufgaben zu vertagen, sind sich der Folgen ihres Handels häufig jedoch bewusst, da sie mit diesen bereits im Alltag konfrontiert werden. Einsicht und Überzeugung sind allzu oft bereits da, es fehlt nur die Selbstkontrolle.

ReMind greift hier ein. ReMind ist ein Transformationales Objekt, ein besonderer Kalender, der seine Nutzer andauernd mit anstehenden Aufgaben konfrontiert. [… for further details, come and see us at the Sichtwerk…]

Transformationale Objekte – The Fifty Fifty Cake

Wir alle haben persönliche Ziele. Wir nehmen uns vor, weniger mit dem Auto zu fahren (auch wegen der Umwelt), mehr Obst zu essen (gut für Figur und Gesundheit), mehr zu lesen (besonders Fachliteratur) und häufiger Freunde zu treffen (vor allem die, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben). Doch kommen wir dann in entsprechende Situationen, ist es oft gar nicht so einfach, das ” Richtige” zu tun. Wir nehmen doch das Auto (das Wetter ist so schlecht), essen einen fetten Mars-Riegel (ich hatte heute einen solchen Stress), schauen den Spielfilm (irgendwie muss man sich ja entspannen) und bleiben auf dem Sofa liegen (wer kann sich da schon aufraffen, so gemütlich wie es ist).

All diese Situationen haben eine ähnliche Struktur: es gibt eine Möglichkeit, die wir langfristig für gut und richtig halten, und eine Möglichkeit, die momentan erreichbarer ist oder sogar mehr Freude macht. Denn wer würde ernsthaft anzweifeln, dass ein Mars-Riegel lecker ist. Die Frage ist: kann ich die Willenskraft aufbringen, mich selbst zu kontrollieren und zu widerstehen? Transformationale Objekte melden sich hier zu Wort. Sie kommentieren unser Handeln in Momenten, in denen wir auf dem Weg sind, uns der Verführung hinzugeben (dem Mars-Riegel). Sie verwandeln zukünftige, abstrakte Ziele (schlank oder gesund zu sein) in etwas Konkretes – aber auf eine spielerische, ironische Art.

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